Waldumbau im Gemeindewald Pleinfeld: Über 50 Hektar in den letzten 10 Jahren aktiv gegen Klimastress und Schädlinge stabilisiert
Der Waldumbau im Gemeindewald Pleinfeld, ist nach Aussage des Revierförsters Bernd Kraus, auf einem sehr guten Weg und stellt eine entscheidende Antwort auf die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit dar. Angesichts der spürbaren klimatischen Veränderungen und der neuartigen Schädlingssituation forciert die Gemeinde Pleinfeld ihre Strategie, um die heimischen Wälder in widerstandsfähige und zukunftsfähige Mischbestände zu verwandeln.
Warum die Kiefer kapituliert
Über viele Jahrzehnte galt die Kiefer als die „Brotbaumart“ Mittelfrankens –geschätzt für ihre vermeintliche Robustheit und Toleranz gegenüber kargen Sandböden. Doch die Kombination aus extremen Hitzeperioden und ausbleibenden Niederschlägen hat die Widerstandskraft dieser Baumart gebrochen. Die Kiefernwälder kämpfen aktuell mit einem gefährlichen „Quartett der Zerstörung“, das den Beständen massiv zusetzt:
- Anhaltende Hitze & Trockenheit: Die zeitweisen ausbleibenden Niederschläge und teilweise extremen Sommertemperaturen führen zu akutem Wassermangel. Die Bäume können kaum noch Harz produzieren – ihre wichtigste Waffe gegen Schädlinge.
- Der Kiefernprachtkäfer: Dieser Schädling nutzt die Gunst der Stunde. Er bohrt sich in die Rinde geschwächter Bäume und unterbricht den Saftstrom, was innerhalb kürzester Zeit zum Absterben führt.
- Diplodia-Triebsterben: Ein Pilz, der besonders nach Hagelereignissen oder extremer Hitze auftritt. Er lässt die Triebspitzen braun werden und raubt dem Baum die Kraft zur Photosynthese.
- Massiver Mistelbefall: Was in der Weihnachtszeit dekorativ aussieht, ist für bereits stark geschwächte Kiefern häufig ein Todesurteil. Die Mistel entzieht dem Baum als Halbschmarotzer wertvolles Wasser und Nährstoffe, bis dieser schlichtweg vertrocknet.
Strategie der Gemeinde: Vielfalt statt Monokultur
Die Verantwortlichen in Pleinfeld haben diesen Trend frühzeitig erkannt und steuern seit vielen Jahren aktiv dagegen. Ziel ist die Abkehr von der krisenanfälligen Kiefernmonokultur hin zu einem strukturreichen Mischwald.
Jährlich investiert die Gemeinde in die Zukunft. Mehrere tausend klimatolerante Bäume werden jedes Jahr neu gepflanzt. Innerhalb der letzten 10 Jahre wurden dabei über 100.000 Waldbäume durch Unternehmer oder Schulklassen verpflanzt. Dabei setzt man auf einen Mix aus Baumarten, die mit den prognostizierten Klimaveränderungen besser zurechtkommen und den Schädlingen kein Potential zur Massenvermehrung mehr bieten. So werden jedes Jahr mehrere Hektar Gemeindewald aktiv in strukturreichere Mischbestände umgebaut.
Die Eichensaat: Eine Investition in die Tiefe
Ein besonderes Highlight der Pleinfelder „Umbaustrategie“ ist die jährliche Eichensaat auf einer Fläche von rund einem Hektar. Während bei Pflanzungen die Wurzeln der Setzlinge oft beim Einsetzen leicht beschädigt oder geknickt werden, bietet die Saat einen entscheidenden ökologischen Vorteil. Die aus der Eichel keimende Eiche entwickelt von der ersten Sekunde an eine ungestörte Pfahlwurzel. Diese bohrt sich wie ein Anker tief in das Erdreich, weit unter die trockenen Oberbodenschichten. So sichern sich die jungen Eichen den Zugang zu tiefer liegenden Wasserreserven und sind dadurch gegen künftige Dürreperioden oder Stürme weitaus besser gewappnet als herkömmliche Pflanzungen.
Fazit: Ein Wald für unsere Enkel
Der Waldumbau ist eine Generationenaufgabe. Was heute gepflanzt und gesät wird, bildet das Fundament für einen stabilen Gemeindewald, der auch in 50 oder 100 Jahren noch seine Funktionen erfüllen soll. Bürgermeister Stefan Frühwald hebt hervor, dass die Gemeinde konsequent in den Wald investiert. Es gehe nicht um kurzfristigen Gewinn, sondern um den Erhalt des Ökosystems. Außerdem nutzt die Gemeinde Pleinfeld hierfür gezielt Förderprogramme des Freistaat Bayern, die den Umbau in klimaresiliente Mischwälder finanziell massiv unterstützt.